Helen Francis Paris: Das Fundbüro der verlorenen Träume

Wow, wow, wow! Es ist schon sehr lange her, dass mich ein Buch dermaßen berührt hat und mich emotional so mitgenommen hat. Dot Watson arbeitet im Fundbüro der öffentlichen Verkehrsmittel Londons und ist mit Verlust jeglicher Art vertraut – auch in ihrem privaten Leben. Ihr größtes Bestreben ist es jedoch, dass jeder verlorene Gegenstand wieder zu seinem ursprünglichen Besitzer zurückfindet und mag der Verlust auch noch so minimal erscheinen: „Das ganze Fundbüro hat etwas aus der Zeit Gefallenes an sich, wie ein Museum, ein Archiv der Erinnerungen, eine Bibliothek des Verlusts.“ Besonders am Herzen liegt ihr die verlorengegangene Reisetasche von John Appleby. Dots eigener, zahlreicher Verlust war für mich als Leserin während der Geschichte so dermaßen spürbar, dass ich sie am liebsten getröstet hätte. Doch von Mr. Appleby erhält sie eine herzzerreissende, jedoch wahre Lektion: „Das Leben hat so viel zu bieten {…} glückliche Zufälle, Aufregendes, Hoffnung. Doch durch alles zieht sich auch der Verlust. Wollte man diesen einen Faden herausziehen, würde sich das ganze Gewebe auflösen. Verlust… ist der Preis, den wir für die Liebe zahlen.“ Diese Erkenntnis hat mich unfassbar traurig gestimmt – nichts im Leben erhält man ohne Gegenleistung, alles hat seinen Preis. Und auf jeden Besitz, auf jedes Kennenlernen folgt eines Tages der Verlust, der Abschied. Die Sprache der Autorin zeichnet sich durch eine sehr feine Wortwahl aus, man kippt von Beginn an in die Geschichte. Mit Dot konnte ich mich stellenweise sehr gut identifizieren, ich konnte ihre Schritte so sehr nachvollziehen, spürte ihre Verzweiflung, ihr Alleinsein, ihre Sehnsüchte. Auch der Titel hat mich beinahe zum Weinen gebracht: „Das Fundbüro der verlorenen Träume“ – für jeden von uns sind andere Dinge von unfassbarer Bedeutung, von emotionalem Wert, die durch nichts zu ersetzen sind. Und Dot hilft jedem Einzelnen im Buch, ein Stück weit seinen verlorenen Traum wiederzufinden. Sie ist absolut selbstlos und denkt zuerst immer an die anderen, bevor sie sich um ihre eignen seelischen Baustellen kümmert. Dieses Buch ist mehr als bloß ein Roman – er öffnet einem die Augen dafür, dass oft die kleinsten Dinge die größte Bedeutung haben, wenn es darum geht, mit Verlusten welcher Art auch immer zurechtzukommen. Die angesprochenen Themen des Romans sind unfassbar vielseitig; kaum zu glauben, was sich alles auf 367 Seiten unterbringen lässt. Am Ende habe ich mich unfassbar für Dot gefreut, dass auch sie endlich ihr verdientes Happy End erhält, dass ich tatsächlich geweint und mir gewünscht habe, die Handlung möge noch weiter gehen. Für mich definitiv eines der Lesehighlights 2022!

Kristin Harmel: Das Buch der verschollenen Namen

Es gibt Bücher, die mich bereits mit ihrem Cover restlos verzaubern können – so auch „Das Buch der verschollenen Namen“.


Paris 1942: Die junge jüdischstämmige Eva Traube flüchtet mit ihrer Mutter aus Paris in das kleine Dörfchen Aurignon, nachdem sie hilflos mitansehen musste, wie ihr Vater von den Nazis abgeholt wird. Eva besitzt ein außerordentliches Talent für die Fälschung von Papieren, was auch ihrer Mutter und ihr selbst das Leben gerettet hat. Schnell schließt sie sich einer Untergrundorganisation an, die für Kinder Papiere fälschen, um ihnen ein sicheres Leben in der Schweiz zu ermöglichen. Im Zuge dessen lernt sie auch Rémy kennen, mit dem sie „Das Buch der verschollenen Namen“ ins Leben ruft: Damit kein Kind je vergessen wird und eines Tages nach seinen Wurzeln forschen kann, klügeln die beiden mithilfe der Fibonnaci-Folge einen Code aus, den die Nazis so schnell nicht knacken sollen. Als der Krieg immer weiter ins Land zieht, wird es für die Résistance, Eva und Rémy immer enger, zumal ein Verräter unter ihnen ist.


Bis auf das zu konstruierte und viel zu kitschige Ende habe ich das Buch geliebt und verschlungen. Besonders berührt hat mich die Tatsache, dass die Erzählung auf einer wahren Begebenheit beruht. Die Erklärung, wie die Fibonnaci-Folge bei der Verschlüsselung der Namen helfen soll, war meines Erachtens ein wenig zu kompliziert, ich habe die Stelle einige Male lesen und die Beispiele selbst ausprobieren müssen, um wirklich zu verstehen, wie der Code funktioniert – dies mag aber auch meinen mangelnden mathematischen Fähigkeiten geschuldet sein. Der Schreibstil ist sehr flüssig, man fliegt nur so durch die Geschichte. Auffallend war etwa auch, dass die Autorin (oder in meinem Fall die Übersetzerin) auf ganz bestimmte Phrasen eingeschossen war, die sich meines Erachtens recht oft wiederholten, wie etwa „Eva stieß die Luft aus, ohne gemerkt zu haben, dass sie sie angehalten hatte“ – hier hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht.
Mit den beiden Protagonisten wurde man sehr schnell warm, ich konnte mit den beiden richtig mitfiebern und habe die eine oder andere Träne geweint. Evas Mutter hingegen habe ich überhaupt nicht verstanden: Ganz gleich, wie sehr Eva sich ins Zeug legte, was sie tat oder nicht, es war nichts gut genug, an allem Schlechten war Eva Schuld. Diese Haltung konnte ich nicht nachvollziehen und hat mir diese Figur sehr unsympathisch gemacht.


Alles in allem aber eine großartige, wenn auch traurige Geschichte, die einmal mehr zeigt, was einige Leute, die aus Überzeugung für das Richtige kämpfen, bewirken können.

Stuart Turton: Der Tod und das dunkle Meer

Vom sagenumwobenen Batavia…

…nach Amsterdam soll die Saardam segeln. Mit an Bord: Samuel Pipps, der wegen eines ihm unbekannten Verbrechens in Ketten gelegt reisen soll, sein Assistent Arent sowie der Generalgouverneur von Batavia, dessen Frau Sara und die gemeinsame Tochter Lia. Noch im Hafen kommt es zu einer rätselhaften Begebenheit: Ein Aussätziger warnt sie davor, dass das Schiff dem Untergang geweiht ist und der Teufel sie alle holen kommt – diese Warnung wird aber in den Wind geschlagen. Schon kurz nach Auslaufen der Saardam ereignen sich seltsame Dinge: Die Tiere an Bord werden dahingerafft, Menschen sterben auf unerklärliche Weise und der Teufel ist gewillt, jedem Mannschaftsmitglied ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen im Austausch für bestialische Taten.
Ich habe bereits Stuart Turtons ersten Roman „Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle“ verschlungen und konnte die Erscheinung seines neuen Werkes kaum erwarten. Bereits auf den ersten Seiten schafft er es, den Leser mit seinem anschaulichen und klaren Schreibstil völlig in den Bann zu ziehen; man hat tatsächlich das Gefühl, ein Mitreisender auf der Saardam zu sein. Samuel Pipps und sein Gefährte Arent erinnern sehr stark an Sherlock Holmes und den getreuen Watson – für mein Empfinden ist die Figur des Samuel aber zu arrogant gestaltet. Er verbringt die meiste Zeit in seiner dunklen Zelle, löst aber dennoch jedes Rätsel in Sekundenschnelle. Mit dieser Figur wurde ich bis zuletzt nicht wirklich warm. Besonders spannend fand ich die Schiffszenen mit der unsichtbaren Grenze zwischen Passagieren (die gesittete Seite) und jener der Belegschaft (Mord und Totschlag). Ich mag bei diesem Roman besonders den Mix aus Krimi, Horrorgeschichte und ein bisschen Herzschmerz.
Wie aber auch bei Turtons erstem Roman bin ich vom Ende eher enttäuscht. Die ganze Handlung über verdichten sich die Vorkommnisse, man erhält immer mehr Hinweise, Anspielungen vom Beginn des Romans machen plötzlich Sinn – aber des Rätsels tatsächliche Lösung ist so nichtssagend und auf wenige Seiten gequetscht, dass ich das Gefühl habe, dem Autor ist bei seinem eigenen Roman die Luft für das Ende ausgegangen. Ein bisschen wie beim Achterbahn fahren, wo man sich aufgrund der Beschleunigung auf die nächste rasante Kurve vorbereitet, man aber plötzlich abbremst und schon wieder aussteigen muss – und jedes Mal denkt man sich „Das war´s?“.
Dennoch hoffe ich sehr, dass Stuart Turton bald einen weiteren Roman hinterher schießt, da ich mittlerweile ein großer Fan geworden bin – eben bis auf seine Enden.

Anja Jonuleit: Das letzte Bild

Beklemmender True-Crime-Roman

Warum sieht das Phantombild der mysteriösen Toten, die 1970 verkohlt im norwegischen Isdal gefunden wurde und deren Identität bis heute nicht geklärt werden konnte, Evas Mutter Ingrid zum Verwechseln ähnlich? Und weshalb reagiert Ingrid so abweisend auf Evas Nachforschungen?

Spannung pur auf zwei Ebenen

Anja Jonuleit schickt ihre Protagonistin Eva Berghoff, ihres Zeichens Schriftstellerin, auf eine spannende und emotionale Spurensuche, die mit der Trennung der Zwillinge Ingrid und Margarethe in den Wirrnissen des Zweiten Weltkriegs beginnt. Der Leser taucht in zwei unterschiedlichen Zeitebenen in die Geschichte ein – diese Zeitsprünge sind auch deutlich durch Schriftänderungen markiert. Eine Ebene spielt in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und schildert Margarethes Bestreben, ihre Schwester und Mutter wieder zu finden – unter anderem in Deutschland, Frankreich und Norwegen. Dabei nimmt sie zahllose Strapazen auf sich, macht die unterschiedlichsten (Männer)-Bekanntschaften und klammert sich an jeden noch so kleinen Strohhalm, um nur endlich wieder mit ihrer Familie vereint sein zu können. Auf der zweiten Ebene, die im Jetzt spielt, begleitet der Leser Eva auf der Suche nach der Wahrheit ihrer Familie. Sie reist nach Bergen und versucht die letzten Tage ihrer Tante zu rekonstruieren, besucht all die Orte, an denen sie gesehen wurde und spricht mit den damaligen Augenzeugen. Was hat Margarethe so umgetrieben, sie ein derart rastloses Leben führen lassen? Was hat es mit den seltsamen Codes in ihrem Notizbuch auf sich? Eva entdeckt schließlich ein grauenhaftes Geheimnis ihrer Großmutter, was sie die Art und Weise ihrer Mutter immer besser verstehen lässt…

1970 – Mord an der Isdal-Frau

Ich persönlich bin ja ein großer Fan von Romanen, die auf zwei oder mehr Zeitebenen gleichzeitig erzählt werden. Ich liebe es, wenn man nach und nach immer nur gewisse Informationsfetzen erhält, die am Ende ein großes Ganzes ergeben – das lässt Raum für eigene Überlegungen bzw. in diesem Fall „Ermittlungen“. Daher finde ich die Wahl dieser Erzählweise auch für „Das letzte Portrait“ großartig gewählt. Ich habe leider erst nach ungefähr 60 Seiten überrissen, dass es sich bei der sogenannten Isdal-Frau um eine reale Person handelt, die im November 1970 halb verbrannt gefunden wurde und ihre Identität und Herkunft bis heute nicht geklärt werden konnte. Ich hatte Gänsehaut, als ich eines Nachts ihr Phantombild gegoogelt und ihre traurige Geschichte recherchiert habe. Wie ist es möglich, dass ein Mensch von niemanden vermisst wurde, sie niemand gekannt haben will? Welches Schicksal ist dieser Frau damals widerfahren? Dass der Roman auf einer wahren Begebenheit basiert und Anja Jonuleit versucht, dieser Frau eine Geschichte zu geben, hat mich wahnsinnig berührt. Die Verflechtung aus Fakten und Fiktion ist ihr ausgezeichnet gelungen, zeigt aber auch sehr deutlich, welchen Raum für Interpretation es bei Mordfällen gibt, wo man von den Opfern selbst so gut wie nichts weiß. War die Isdal-Frau selbst Opfer? Zur falschen Zeit am falschen Ort? Hat sie sich mit den falschen Leuten angelegt oder sich in den falschen Kreisen bewegt? Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren, aber der Autorin ist es gelungen, eine plausible Geschichte aus diesem Rätsel zu zaubern. Dabei lässt sie jedes Kapitel mit einem kurzen Abschnitt des Artikels beginnen, der am 10. Jänner 2018 in der ZEIT veröffentlicht wurde. Sie erzählt in klarer, aber berührender Sprache die Geschichte einer Familie, die ihre dunkelsten Geheimnisse über die Jahre hinweg zu verbergen versucht – doch die Wahrheit kommt letzten Endes immer ans Licht.

Den Titel des Romans finde ich sehr passend, die Umschlagsgestaltung hingegen weniger. Diese ist mir beinah zu kitschig für einen Roman derartigen Kalibers. Auch die Ausgestaltung der Protagonisten ist durchaus gelungen, lediglich für den arroganten Universitätsprofessor konnte ich mich nicht erwärmen. Am Ende des Romans listet Anja Jonuleit noch Fakten zu den Geschehnissen 1970 auf. Absolute Leseempfehlung für diesen True-Crime-Roman!

Vielen Dank an Vorablesen und den dtv für das Rezensionsexemplar!

Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers. Ein Fall für Leopold von Herzfeldt

Oliver Pötzsch entführt seine LeserInnen nach Wien ins Jahr 1893: Inspektor Leopold von Herzfeldt wird von Graz nach Wien versetzt und soll den KollegInnen die Methoden der Kriminalistik näher bringen, die noch in den Kinderschuhen steckt. Prompt platzt er an seinem ersten Arbeitstag in die Ermittlungen eines grausigen Mordes – einem jungen Mädchen wurde kaltblütig die Kehle durchtrennt und ein Holzpflock in die Vagina getrieben. Als Leo versucht, mittels der neuen Wissenschaft den Tatort systematisch zu untersuchen, macht er sich Oberinspektor Leinkirchner zum Feind, der noch dazu antisemitisch veranlagt ist und dies den jüdischstämmigen Leo nur allzu gerne spüren lässt. Als noch weitere gepfählte junge Frauen auftauchen, schließt sich Leo mit dem Totengräber Augustin Rothmayer und der Polizeitelefonistin Julia Wolf zu einem liebenswürdigen Ermittlerduo zusammen. 


Bereits das dunkel gestaltete Cover hatte mich von dem Buch überzeugt, zumal ich von dem Autor bis dato auch noch nichts gelesen hatte. Die meisten der 29 Kapitel beginnen mit einem Auszug aus dem „Almanach für Totengräber“, an dem Rothmayer während der Ereignisse schreibt. In diesen kurzen Abschnitten erfährt man einiges über die unterschiedlichen Stadien der Verwesung, besondere Vorkommnisse und Absonderlichkeiten, mit denen man als Totengräber konfrontiert werden könnte. Die Figur Leopold von Herzfeldt wächst einem als Leser besonders schnell ans Herz; es gibt immer wieder Andeutungen, dass er aus Graz mehr oder minder geflohen ist, was natürlich umso neugieriger macht. Was Fräulein Wolf betrifft, so war ich mir bis zum Ende der Geschichte nicht sicher, in welche Schublade ich sie stecken soll; und der Totengräber selbst ist in seiner Verschrobenheit einfach großartig gelungen! Der Spannungsbogen ist ebenfalls grandios aufgebaut, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann und mag.

Einziges Manko: Der Autor versucht, seine Geschichte Richtung Vampirismus und Untote zu drehen, was in dem Schwall der ganzen Ereignisse jedoch untergeht und viel zu kurz kommt – das tut meiner Faszination aber dennoch keinen Abbruch und ich kann das Buch ganz klar für alle Krimi-Fans empfehlen, die sich gerne im Wien des späten 19. Jahrhunderts herumtreiben. Ich freue mich auf die kommenden Mordabenteuer des Ermittler-Trios!

Domenico Dara: Der Zirkus von Girifalco

Der neue Roman „Der Zirkus von Girifalco“ des mir bis dato unbekannten italienischen Autors Domenico Dara wurde mir dankenswerterweise vom Verlag Kiepenheuer & Witsch sowie Vorablesen als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Sowohl der Titel als auch das Umschlagbild zogen mich von Beginn an in seinen Bann – wollte ich als Kind doch gerne mit einem Wanderzirkus von A nach B ziehen.

Domenico Dara entführt uns in seinem Roman nach Süditalien in den kleinen verschlafenen Ort Girifalco mitten im August, kurz vor den Feierlichkeiten des Dorfheiligen San Rocco. Auf gut 100 Seiten führt der Autor seine durchweg verschrobenen Charaktere ein: Hier hätten wir einerseits Archidemu Crisippu, seines Zeichens Stoiker, dessen Bruder seit Jahren vermisst wird – eine Schildkröte dient ihm als Ersatz für den Verlust; Lulù Segareddu, der in der örtlichen Nervenheilanstalt einsitzt, auch nach Jahren noch auf seine Mutter wartet und sich die Zeit damit vertreibt, auf Blättern Melodien zu spielen; Cuncettina Licatedda, die seit ewigen Zeiten nichts sehnlicher möchte als schwanger zu werden, von boshaften Dorfbewohnern aber nur „die Vetrocknete“ genannt wird; Schneidermeister Venanziu Micchiaduru, ein Nymphomane, wie er im Buche steht und der die Frauen im Dorf allesamt mit seinem „Kastanienstock“ und seiner „heiligen Milch“ beglückt, obwohl ihn die meisten für schwul halten; Mariarosa, die sich ein Leben lang benachteiligt und hintergangen fühlt, weil ihre Erzfeindin Rorò den Mann und das Leben hat, was ihrer Ansicht nach ihr zustehen müsste – Mariarosas Alltag besteht im Großen und Ganzen daraus, Rorò einen baldigen Tod zu wünschen; Roròs Ehemann Sarvatúra, der den delikatesten Lebensmitteladen in ganz Girifalco führt und schließlich Angeliaddu und Taliana Passataccu, Mutter und Sohn, die vom städtischen Vermesser buseriert werden, da Taliana einst dessen Avancen ablehnte.

Das sind bei weitem aber noch nicht alle Protagonisten. Auf den ersten 100 Seiten passiert also zunächst nichts weiter, als dass der Autor seine Figuren mit den kompliziertesten Namen, die es wohl je in einen Roman geschafft haben, mit ihrer Lebensgeschichte einführt, ohne dass ein konkreter Zusammenhang zwischen ihnen ersichtlich wird. Diese ersten 100 Seiten sind zum Teil mühsam und langatmig, was zum Teil auch an dem Stil des Autors liegt: Schachtelsatz über Schachtelsatz, allzu geschraubte Formulierungen und Metaphern – kurzum, man braucht gleich zu Beginn einen langen Atem als Leser. Abgesehen davon, dass man sich die Namen alle unmöglich merken kann, hat man die jeweiligen Figuren bis zu ihrem erneuten Auftauchen in der Handlung schon längst wieder vergessen.

Ein Zirkus verirrt sich in die Stadt

Statt des alljährlichen Jahrmarktes zur Feier des Dorfheiligen verirrt sich ein Zirkus nach Girifalco und versetzt die Bewohner in helle Aufregung. Und damit ist der Hauptplot an sich beendet. Von da an plätschert die Geschichte über 400 Seiten vor sich hin, ohne dass etwas wirklich Aufregendes oder Entscheidendes passiert. Aber kurz zu den DorfbewohnerInnen und was ab dem Eintreffen des Zirkus mit ihnen geschieht:

  • Der Stoiker Archidemu glaubt in dem Balancekünstler Jibril seinen vor 30 Jahren verschollenen Bruder Sciachineddu wiederzuerkennen. Jibril selbst leidet an Gedächtnisverlust und kann mit Archidemu nichts anfangen. Archidemu selbst bringt aber nicht den Mut auf, ihn direkt darauf anzusprechen.
  • Der Trapezkünstler Batral freundet sich mit Angeliaddu an, der wiederum in Batral einen Ersatzvater findet. Die beiden verbindet eine weiße Strähne am Hinterkopf, die ein Zeichen des Teufels sein soll.
  • Der Schneider Venanziu verliebt sich zum allerersten Mal in seinem Leben in die Schlangenfrau Mikaela, der er sogar ein exquisites Trikot schneidert. Aber auch er bringt den Mut nicht auf, mit der Wahrheit herauszurücken.
  • Der verrückte Lulù glaubt in Luvia, einer weiteren Angehörigen der Zirkusfamilie seine lang verstorbene Mutter zu sehen und schließt sich letzten Endes dem Zirkus an.
  • Cuncettina trifft am Dorfbrunnen den Zauberkünstler Tzadkiel, der ihre Flasche in Blumen verwandelt und ihr bei ihrem Besuch eine weiße Taube auf den Bauch zaubert. Von dem Moment an lebt sie in der Hoffnung, doch noch schwanger zu sein.

Ein zeitloser Roman über menschliche Schicksale

Der Roman wirkt völlig zeitlos, der Handlung sind keine Informationen zu entnehmen, wann die Geschehnisse zeitlich angesiedelt sein sollen. Auch das Ende war für mich enttäuschend, das meiste wird nur angedeutet, alles bleibt offen und endet mit der Abreise des Zirkus bzw. mit dem Ende der Feierlichkeiten zu Ehren des Dorfheiligen.

Ich habe gute 11 Tage für 523 Seiten benötigt (was für mich schon recht lange ist), weil ich meist nach 50 Seiten so erschöpft war vom Schreibstil und gelangweilt von der Handlung. Es passiert einfach… NICHTS! Mit diesem Nichts aber über 500 Seiten füllen zu können, ist dann wohl wieder eine Meisterleistung. Ich konnte dem Roman leider nichts Poetisches oder Märchenhaftes oder gar die Leichtigkeit abgewinnen – Beschreibungen, mit denen der Roman beworben wurde-, ich kann ihn leider nur als mühsam beurteilen.

Domenico Dara beschreibt die Bewohner eines Dorfes, die alle mit ihrem Schicksal zurechtkommen müssen und ihr Päckchen zu tragen haben, mir fehlte aber die Vernetzung der einzelnen Dorfbewohner zueinander. Der Roman ist in 30 Kapitel aufgeteilt, die in mehrere kleine Kapitel unterteilt sind, die wiederum in kurze Abschnitte über die jeweiligen Dorfbewohner gegliedert sind. Mir fehlte da der rote Faden, das einzige verbindende Glied war oft nur, dass sie alle im selben Dorf wohnen. Auch finde ich den Titel des Romans irreführend, der ja eigentlich den Zirkus in den Mittelpunkt rückt, der Zirkus wird aber auffallend wenig beschrieben. Ebenso sind die Charaktere zu zahlreich, man wird immer wieder aus der Handlung gerissen, weil man nicht mehr weiß, wer wer ist oder um wen es denn eigentlich gerade geht (da hilft auch das Verzeichnis am Ende herzlich wenig, es sind schlichtweg einfach zu viele!)

Ich habe mich bis zum Ende des Romans gekämpft, bin aber schwer enttäuscht davon und kann ihn daher leider auch nicht weiterempfehlen. Dieser fällt eher unter die Kategorie „Schwere Kost“.

Bewertung: 1*/5 (Goodreads)

Domenico Dara: Der Zirkus von Girifalco. Kiepenheuer & Witsch (523 Seiten)

Uta Seeburg: Der falsche Preuße

Der preußische Sherlock Holmes ermittelt 

Ich bin eine leidenschaftliche Leserin von historischen Kriminalromanen und da erschien „Der falsche Preuße“ von Neoautorin Uta Seeburg gerade rechtzeitig. 

Angesiedelt ist die Handlung im München des Jahres 1894, kurz vor der Jahrhundertwende: Die ältere Generation blickt den Wundern der Technik argwöhnisch entgegen, die feinen Herrschaften flanieren durch Münchens Straßen und im Hofbräuhaus wird das Leben feuchtfröhlich genoßen wie eh und je. In dieses kaleidoskopartige Treiben wird Hauptmann Wilhelm Freiherr von Gryszinski, Reserveoffizier der preußischen Armee, als Sonderermittler des Königlich Bayerischen Gendameriekorps von Berlin nach München versetzt. Man setzt große Hoffnungen auf ihn als aufstrebender Kriminologe, immerhin ist Hans Gross, der Urvater der modernen Kriminologie, sein Mentor und Lehrmeister gewesen. 

Ein Mord zwischen Bier und Tellerfleisch 

Schließlich gibt es in der Bierhauptstadt endlich einen Mord, den Gryszinski zusammen mit den ihm zur Seite gestellten Gendarmen Voglmaier (dieser hat an jedem Eck der Stadt ein „Spezl“ sitzen, die ihm allesamt im Zuge der Ermittlungen zugute kommen) und Eberle sich ans Werk macht aufzudecken. In den Maximiliansanlagen, dem Fundort der Leiche, bietet sich dem Trio ein seltsamer Anblick: Der Leiche fehlt das Gesicht, ist nur bekleidet mit einem leichten Federmantel und liegt neben einem Abdruck eines Elefantenfusses, dem noch dazu eine Zehe fehlt. Schnell wird klar, dass der mondäne Selfmade-Man und Lebemann Eduard Lemke, seines Zeichens Erbe einer renommierten Bierbrauerei und verspielter Neureicher, in die Sache verwickelt sein muss. Als Gryszinski dann aber von oberster Stelle zusätzlich zu seinen Ermittlungsarbeiten auch noch als Spion engagiert wird, kommt der Fall erst so richtig ins Rollen… 

Besonders schön gelungen finde ich die Zeichnung der Charaktere, die einem bereits nach wenigen Seiten ans Herz wachsen: Gryszinski selbst, der in seiner Leidenschaft für Tellerfleisch und all den anderen Münchner Köstlichkeiten der Lösung seines Mordfalls immer mehr auf die Schliche kommt; seine bibliophile Frau Sophie, die ihn allabendlich an ihren Ausflügen in die Welt der Literatur teilhaben lässt; seine beiden Ermittlungsgehilfen, die ab und an an Dick und Doof erinnern lassen und schließlich Lemke, der ein wenig an dem Peter-Pan-Syndrom zu leiden scheint: Die Beschreibungen seiner traumartigen Räumlichkeiten in seiner – wohl aufgrund seiner niedrigen Herkunft – protzigen Villa muten abenteuerlich und fabelhaft an, als LeserIn verliert man sich in diesen Beschreibungen, was wahrlich ein Genuss ist! 

Die Kriminologie kommt mir ein wenig zu kurz 

Ebenso gefällt mir die Mischung aus historischen Begebenheiten, wie etwa der tatsächlichen Wissenschaft der Kriminologie und dem schriftstellerischen Einfallsreichtum der Autorin. Es ist die Zeit, in der mit Hilfe von Fingerabdrücken Mörder überführt werden; in der jedes noch so kleine Indiz der Schlüssel zu des Mordes Lösung sein könnte. Jedes Kapitel beginnt etwa mit einem Zitat aus Hans Gross „Handbuch für Untersuchungsrichter, Polizeibeamte, Gendarmen usw.“ aus dem Jahre 1893 und steht mehr oder weniger in Bezug zum Inhalt des jeweiligen Abschnitts. Schade finde ich daher, dass die ersten Gehversuche der Kriminologie und diverse Methoden – zumindest für meinen Geschmack – zugunsten der Handlung zu kurz kommen. Aber hier liegt wohl auf der Hund begraben: Entweder konzentriert man sich auf ein fesselndes Voranschreiten der Handlung oder auf die genaue Beschreibung der historischen Errungenschaften der Kriminologie – eines geht wohl nur auf Kosten des anderen. 

Flüssiger Schreibstil, pointierter Sarkasmus 

Zugegeben, ich hatte zu Beginn ein wenig die Befürchtung, dass sich die Autorin an einer geschraubten und daher mitunter vielleicht mühsam zu lesenden Sprache bedient, aber diese Vermutung hat sich zum Glück nicht bestätigt. Im Gegenteil, der Roman liest sich sehr leicht und flüssig und trieft stellenweise vor Sarkasmus, dass ich an den entsprechenden Stellen wirklich herzlich lachen musste. 

Das Ende hat mich dann leider nicht ganz überzeugt, das kam mir zu plötzlich und war auch irgendwie schade, weil man sich für den Täter schon irgendwie etwas Anderes erwartet hat. Da ist also noch Luft nach oben. Da der Roman aber als Auftakt einer Krimireihe promotet wird, darf man auf die weiteren Bände gespannt sein. Ich freue mich jedenfalls, wieder mit Gryszinski und seinen beiden Gendarmen auf Mördersuche gehen zu können. 

Danke an Vorablesen und den HarperCollins Verlag für das Rezensionsexemplar!

352 Seiten.

Elena Ferrante: Das lügenhafte Leben der Erwachsenen

„Das lügenhafte Leben der Erwachsenen“ ist mein erstes Buch von Elena Ferrante, auch wenn ich schon oft ihre Neapolitanische Saga in der Hand hatte. Wirklich angesprochen haben mich die Klappentexte aber leider nie. Das war bei diesem Buch anders: Titel, Cover und Leseprobe haben mich überzeugt.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht
Jetzt, nach Beendigung der Lektüre, weiß ich nicht so recht, was ich von dem Roman halten soll. Worum geht`s? Giovanna wächst glücklich und behütet von ihren intellektuellen Mittelschichteltern auf, bis ihrem bibliophilen Vater die unbedachte Bemerkung heraus rutscht, sie werde immer mehr wie Vittoria, seine Schwester, das schwarze Schaf der Familie, mit der er gebrochen hat und seit Jahren kein Wort mehr spricht. Giovanna versucht mehr über diese ominöse Schwester herauszufinden und nimmt Kontakt zu ihr auf. Fortan befindet sich Giovanna in einem permanenten Strudel aus Lügen, Vulgarität, der Entdeckung ihrer selbst und wer sie eigentlich sein möchte, kurzum mitten in der Pubertät. Sie übt sich im Dialekt der neapolitanischen Unterschicht, macht erste Erfahrungen mit Männern, vernachlässigt die Schule, kapselt sich immer mehr von ihren Eltern ab und was sonst noch zu dieser – manchmal äußerst schwierigen – Phase des Lebens dazu gehört.

Stellenweise sehr langatmig
Leider fehlt mir persönlich eine konkrete Handlung. Die Geschehnisse plätschern so vor sich hin, ohne auf einen Höhepunkt zuzusteuern. In einige der Charaktere konnte man sich gut hineinversetzen, so etwa in die Protagonistin selbst oder ihre ein wenig verrückt porträtierte Tante, in andere dafür weniger (wodurch sich die Wandlung Giulianas vollzieht, hat sich mir beispielsweise völlig entzogen. In die Thematik des Lügens an sich kann man sich sehr gut hineinversetzen: Wer kann sich nicht an die Momente seiner Kindheit erinnern, in denen die eigenen Eltern kleine (Not)-Lügen zur Hilfe nahmen, die man nur zu gerne glaubte, nur um irgendwann festzustellen, dass Eltern eigentlich ziemlich oft und viel lügen. Sei es aus Liebe, aus Schutz vor der manchmal harten Realität oder ganz einfach aus Gewohnheit.
Auch dass der Roman im Neapel der 90-Jahre spielen soll, erschließt sich mir nicht: Woran macht die Autorin das fest? Was soll das Charakteristische dieses Neapels sein? Für mich hätte der Roman genauso gut in der Jetzt-Zeit spielen können.
Was den Schreibstil betrifft, so bin ich grundsätzlich ein Fan von langen Schachtelsätzen, stellenweise war das aber sehr mühsam zu lesen und ich musste den einen oder anderen Satz mehrmals lesen, um den Sinn zu erfassen. Hinzu kommt leider auch, dass ich die endlosen Diskussionen über religiöse Themen sehr langatmig fand, für die letzten 100 Seiten braucht man als Leser doch einen recht langen Atem.
Ich fand das Buch leider echt enttäuschend, es hat mich nicht wirklich vom Hocker gerissen. Ich werde der Neapolitanischen Saga aber eine Chance geben, vielleicht kann diese mich ja überzeugen.

Danke an Vorablesen und den Suhrkamp-Verlag für das Rezensionsexemplar.

415 Seiten

Garrett M. Graff: Und auf einmal diese Stille. Die Oral History des 11. September

Ein Buch, das unter die Haut geht 

Wohl jeder, der alt genug ist, kann sich daran erinnern, was er an 9/11 getan hat: Ich war sieben Jahre alt und kam gerade von der Schule nach Hause, als bei uns daheim der Fernseher lief und die Zwillingstürme in sich zusammen stürzten. Ich habe noch genau das Bild vor Augen, wie meine Mama sich vor lauter Schock und Fassungslosigkeit die Hand vor den Mund legte und mit großen Augen das Geschehen auf dem Bildschirm verfolgte. 

Garrett M. Graff hat ein unfassbares und wichtiges Werk geschaffen: Er lässt den wohl schrecklichsten Tag der amerikanischen Geschichte noch einmal lebendig werden aus der Sicht hunderter Augenzeugen, Angehöriger, Rettungskräften, MitarbeiterInnen der Flughäfen, aber auch diverser politischer Amtsträger und der engsten MitarbeiterInnen des damals amtierenden Präsidenten George W. Bush. 

Perfekte Mischung aus Informationen und subjektiven Erlebnissen 

Das Buch erzählt nur einen einzigen Tag: den 11. September 2001. Dabei beginnt Graff immer mit einem informativen Paragraphen mit allen wichtigen Informationen und listet dann quasi die Erinnerungen und Aussagen der Leute. So interessant all diese Wahrnehmungen sind und fesseln, so schwer ist, sich all diese Namen und Berufsbezeichnungen zu merken, so dass ich irgendwann dazu übergegangen bin, nur noch die Namen zu lesen. Graff geht aber nicht nur auf die Anschläge in New York ein, sondern auch auf die beiden anderen Flugzeugabstürze im Pentagon und in Shanksville. 

„Die Glücklichen unter den Unglücklichen“ 

Unter Tränen habe ich die Kapitel gelesen, in denen von den letzten Anrufen der Passagiere der entführten Flugzeuge erzählt wird und wie deren Angehörigen diese letzten Sekunden wahrgenommen haben. Diese Momente kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Wie reagiert man in einer solchen Situation, wenn man weiß, dass es das letzte Gespräch sein wird und man wenige Minuten später stirbt? Berührt hat mich da besonders die Aussage einer jungen Ehefrau: „Wir waren die Glücklichen unter den Unglücklichen, weil wir diese letzten Worte haben.“ 

2018 habe ich das 9/11 Museum in New York besucht, wo u. a. diese letzten Anrufe in Dauerschleife abgespielt werden. Ich habe die ganze Zeit geweint und musste irgendwann gehen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, dieses ganze sinnlose Leid und die Verzweiflung. Dieses Buch ist also nichts für schwache Nerven und zart besaitete Seelen. 

Hoffen weit über alle Hoffnung 

Bewegend sind auch die zig Aussagen der unzähligen Rettungskräfte, die sich in die brennenden und einsturzgefährdenden Twin Towers aufmachten, um nach Verletzten und Überlebenden zu suchen und so viele Menschen wie möglich noch zu retten. Unterwegs erfuhren sie immer wieder von verunglückten oder abgängigen Kollegen, trotzdem ließen sie sich nicht beirren in ihrer Sache. Feuerwehrmänner, die ihr eigenes Leben gaben, um Leute, die die Kraft längst verlassen hatte, nicht alleine zu lassen und es nie mehr aus dem Gebäude heraus schafften. Das bringt einen sehr, sehr stark zum Nachdenken: Würde man dasselbe machen? Bleiben, obwohl man weiß, dass man sterben wird und es vielleicht noch rechtzeitig hätte hinaus schaffen können? Dieser Zusammenhalt der Rettungskräfte, aber auch der zig Freiwilligen, die alle helfen wollten, so gut sie konnten, ist über das ganze Buch hinaus spürbar und bewegt zutiefst. 

Ich kann für das Buch eine klare Leseempfehlung aussprechen, kann es allerdings nicht als Abend- bzw. Bettlektüre empfehlen (den Fehler habe ich gemacht und konnte dann teilweise sehr lange nicht einschlafen). Die Sprache ist klar und flüssig, die Aussagen lassen sich schnell lesen und erfassen. Einzig schleppend sind wie gesagt die Jobbeschreibungen hinter den Namen, was mitunter auch daran liegen kann, dass man damit nicht wirklich etwas anfangen kann, wie die Feuerwehr in Amerika untergliedert ist. 

Garrett M. Graff hat wahrlich ein Meisterwerk geschaffen. 

Danke an Vorablesen und den Suhrkamp Verlag für das Rezensionsexemplar. 

541 Seiten

Paul Bokowski: Hauptsache nichts mit Menschen

Selten eine derartige Ansammlung an Schwachsinn gelesen. Paul Bokowski versucht pseudo-lustig zu sein, was aber gründlich misslingt. Er geht sehr offen mit seiner Homosexualität um, was dazu führt, dass es in seinen Geschichten zu 80% um Sex geht – sex sells eben. Auch die Anspielungen an seinen Berliner Wohnort Wedding versteht man als Nicht-Berliner auch nur zum Teil.
Seine Eltern werden auch immer wieder zu Protagonisten seiner Geschichten – meist zieht er über sie her, dass sie die neue Technik nicht verstehen (etwa Skype oder Emails) und macht sich darüber lustig, was ich eher als armselig empfinde. Da wir ganz offensichtlich nicht denselben Humor teilen, ist der Autor für mich leider Kategorie „Einmal und nie wieder“.